Wilhelm Thielmann und Willingshausen

12.01.2022 | Als den mit Carl Bantzer wohl wichtigsten Maler und Repräsentanten der Malerkolonie Willingshausen ist Wilhelm Thielmann zutreffend beschrieben.  Wilhelm Thielmann wurde 1868 Herborn geboren und starb 1924 in Kassel nach einem Schlaganfall. Seine Geltung neben Carl Bantzer als wichtigster Vertreter der Willingshäuser Malerkolonie hat verschiedene Gründe. Im Jahr 1897 hat er zum ersten Mal das Dorf Willingshausen in der Schwalm besucht. Seit Ende der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts war Willingshausen zunehmend beliebter Studienort geworden. Ludwig Knaus folgten zahlreiche Künster aus Düsseldorf, Frankfurt und Dresden und aus dem Ausland dorthin.

Ölbild „Blick aus dem Atelier“ von Wilhelm Thielmann entstanden 1922

Wilhelm Thielmann sollte jedoch der einzige Künstler bleiben, der sich dauerhaft in Willingshausen niedergelassen hat um dort zu leben und zu arbeiten. Durch seinen frühen Tod 1924 erlebte er nicht mehr die Fertigstellung des von ihm in der Neustädter Straße errichteten Hauses.  In Willingshausen und in Bezug auf Landschaft und Menschen hat er in knapp drei Jahrzehnten ein umfangreiches malerisches und graphisches Werk geschaffen.

Tanzpause von Wilhelm Thielmann, 1915

Das Werk Thielmanns zeigt tiefe Verbundenheit  mit Land und Leuten in der Kulturlandschaft Schwalm. Lange Zeit wirkt Thielmann als Grafiker, bis er sich 1904 der Ölmalerei zuwendete. Indem er Radierungen herstellte, sind viele seiner grafischen Arbeiten überliefert und teilweise auch heute noch bei Kunstantiquariaten im Angebot.

Portrait Alexandra Thielmann von Wilhelm Thielmann, 1915

Nach Thielmanns Tod war seine Ehefrau Alexandra Thielmann mit Kindern in die Situation geworfen die Famile weiter ernähren zu müssen. Sie wendete sich der überlieferten Schwälmer Weißstickerei als Volkskunst zu und gründete ein Mädchenschule für diese traditionelle Stickkunst, die damit zu einer Blüte gebracht wurde.

Radierung Spinnstube von Wilhelm Thielmann

Die 1915 geborene Tochter Marianne Heinemann, geb. Thielmann, wendete sich wie ihr Vater der Malerei zu. Nach Eheschließung mit dem Kunstmaler Günter Heinemann wurde von beiden die Malschule Willingshausen ins Leben gerufen. In sommerlichen Kursen konnten Hobby- und Freizeitmaler sich mit den Techniken der Malerei vertraut machen. Die Malschule Willingshausen wurde 1992 von der Künstlerin Ulrike Schulte, Bremen, übernommen. So werden Kursangebote in Zeichnen und Malen bis heute in Willingshausen angeboten.

Bericht über Denkmalpreis 2016 an Haus Thielmann

Literatur:
Wilhelm Thielmann – Willingshäuser Hefte 3, 1992
Wilhelm Thielmann  (1868 – 1924) Friedrich Piesk. Mit einem Verz. der Radierungen v. Günther Füllenbach, 1997
https://lfd.hessen.de/service/auszeichnungen/hessischer-denkmalschutzpreis/2016/malerh%C3%A4uschen-thielmann-willingshausen