Kunsthistorisches Symposium 2022 steht für einen Aufbruch

Über Willingshausen kann Mensch verschiedener Ansicht sein. Schließlich sind auch sehr viele Ansichten dereinst hier von Malern und Malerinnen geschaffen worden. Diese Zeichnungen als Bildnisse und Gemälde im Schaffen der großen Zahl von Malern in der Zeit der Malerkolonie im 19. und 20. Jahrhundert stehen für künstlerische Vielfalt und Entfaltung.
 Davon in „man“ in Willingshausen weit entfernt.

Kunst, Kunsthandwerk und einschlägige Angebote gibt es in Willingshausen nicht alleine in der Kunsthalle. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Stattdessen wurde Ausgrenzung und Verhinderung betrieben. Aktuelle Forschungen fehlen, angesehene Wissenschaftler wurden brüsk abgewiesen. Das seit 26 Jahren vergebene Künstlerstipendium hatte sich als Innovator erwiesen. StipendiatInnen beklagen schlechte Bedingungen und Unverständnis. Die Sparkassenkulturstiftung will jetzt neue Wege gehen. Doch vor Ort fehlt es signifikant an Rezeptionsfähigkeit und Bereitschaft zur Öffnung. Grund genug endlich etwas zu tun. Darauf warten viele, in Kassel, Marburg, Wiesbaden und in Willingshausen selbst.

Unzufriedenheiten wenden und Dialoge eröffnen

Viele Museen und Sammlungen zwischen Milwaukee und St.Petersburg haben und präsentieren Werke von Willingshäuser Malern. Zahlreiche Biografien und Beiträge in Büchern eröffnen Diskurse über Sichtweisen. Aktuell finden jedoch keine Forschungen statt. Selbsternannte fragwürdige Gralshüter im Ort verweigern Zugang zu vorhandene Quellen und verhindern, dass das wertvolle Archiv der Maler gesichert und wissenschaftlich bearbeitet wird. Solche Verweigerung und Blockade wollen Kunsthistoriker/innen und Kunstfreunde nicht länger hinnehmen.

Raumgreifende Wandgestaltung von Stipendiatin Martha Friedel in der Ausstellung zum Stipendium in der Kunsthalle Willingshausen 2021 – Ausschnitt. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Welche Aussichten
 es für Willingshausen geben kann

Malerstübchen, Gerhardt-von-Reutern-Haus, Künstler-Stipendium und eine Kunsthalle umschreiben die Ausgangslage. Mit Öffnung, Strukturierung und Kooperation lässt sich in und für Willlingshausen viel in Gang setzen. Kunsthistoriker erwarten einen Aufbruch und der Ort kann sich ein Verschließen nicht länger leisten.

Kunst, Kunsthandwerk und Kulturinformationen gab es im Winter 2020/21 im Schaufenster der vormaligen Bäckerei Dittschar in der Neustädter Straße abends hell beleuchtet zu sehen. Inzwischen wirkt in den Räumen KIWI, die neu gegründete Kultur-Initiative Willingshausen e.V. und aus dem leerstehendem Bäckereiladen mit angrenzender Backstube wurde die „Neustädter Sieben“ als ergänzendes und erweiterndes Angebot im Malerdorf Willingshausen. Angeboten werden Ausstellungen von Kunstschaffenden in der Region. Die Malschule Willingshausen, seit Jahrzehnten von Ulrike Schulte aus Bremen in der Nachfolge von Marianne und Günter Heinenmann organisiert und geleitet, bietet seit Sommer 2021 dort die Kurse für Freizeitmaler/innen an. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Dialoge zur Überwindung von Stillstand und Regression

Leerstand, Plan- und Konzeptlosigkeit einerseits und abrufbares Forschungs- und Publikationsinteresse
 sollen in Referaten beschrieben und vorgetragen werden.
 In Willingshausen gibt es inzwischen Veränderungen. Im Jahr 2021 ist vielen klar geworden, dass es rund um die Malerei und Gerhardt-von-Reutern-Haus nicht mehr – wie seit einigen Jahren praktiziert – weitergehen kann. Es walten Strukturen und Gepflogenheiten, die nach Offenlegung, kritischer Überprüfung und Ablösung rufen. Das  Symposium am 1. Oktober 2022 schafft Forum für kunsthistorische und kunstorientierte Betrachtung  und kann Anstösse und Kriterien artikulieren für eine Entwicklung, die Stillstand und Regression der letzten Jahre überwindet und Willingshausen in seiner historischen Bedeutung würdigt. Es geht um Öffnung nach innen wie nach außen, Öffnung und Raum für Forschung und Wissenschaft, eine freundliche und fördernde Umgebung und Unterstützung für Stipendiaten und nicht zuletzt kompetent-professionelles Selbstverständnis zur Entwicklung kultur-touristischer Perspektiven für Willingshausen in und mit der Großgemeinde.