Lässt sich der Maler Carl Bantzer zutreffend als Impressionist bezeichnen?

Das Werk von Carl Bantzer (1857 – 1941) als Maler ist groß, vielfältig und umfasst neben den großen und bekannten Bildern wie Schwälmer Tanz, Abendmahl oder Frühlingsspaziergang zahlreiche Zeichnungen und weniger bekannte Gemälde. Es umschließt zudem Studien, die nicht alleine Auskunft geben über den Entstehungsprozess von Gemälden. Bekannt ist von Bantzer, dass für ihn die Fotografie ein durchaus wichtiges Hilfsmittel gewesen ist. Zu der Marburger Ausstellung im Schloss und Rathaus im Jahr 1977 ist ein Katalog erschienen mit dem Titel „Carl Bantzer 1857-1941  Foto/Zeichnung/Gemälde  Synthetischer Realismus“. Damit wurde eine weitgehende Einordnung von Bantzers Werk vorgenommen.

Umschlag-Vorderseite des Katalogs zur Bantzer-Ausstellung im Jahr 1977 in Marburg.

Ob die Zuschreibung „Synthetischer Realismus“ zu der Malerei Bantzers zutreffend oder teilweise zutreffend ist oder ob  damit eine fragwürdige Werkinterpretation einhergeht, bzw. einhergegangen ist, ist als Frage uhd Infragestellung in jedem Fall vorzutragen.  Bei Wikipedia findet sich eine diesbezüglich einen anderen Akzent setzende Aussage. Dort ist zu lesen „Carl Ludwig Noah Bantzer… ein vom Impressionismus stark beeinflusster Maler, Hochschullehrer und Kunstschriftsteller.“

Diese Studie von Carl Bantzer zum Frühlingsspaziergang, ausgestellt in der Neuen Galerie Kassel, kann als Beleg für Carl Bantzers Nähe zum Impressionismus gesehen werden. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Zwischen Synthetischem Realismus und Impressionismus gibt es große Unterschiede und Diskrepanzen. Die Zuordnung ein und desselben Malers zu beiden Stilrichtungen sollte befremden.

Inzwischen gibt es seit der Marburger Ausstellung vor 45 Jahren viele weitere profunde Veröffentlichungen, in denen die Forschung und kunsthistorische Würdigung und Einordnung von Carl Bantzer wesentlich vorangebracht wurde. Damit ist die Beschäftigung mit Bantzers Œuvre jedoch keinesfalls abgeschlossen.

An dieser Stelle soll dies als Anmerkung und Einwurf – fokussiert auf Carl Bantzer als bekanntesten der Willingshäuseer Maler zugleich jedoch in Wahrnehmung vieler anderer Willingshäuser Maler – aufzeigen, dass es ein breites Spektrum von Interpretationen und Zuordnungen gibt. Es ist ebenso wenig einfach oder eindeutig ein Ergebnis zu benennen, würde eher ein allzu simples laienhaftes Verständnis offenbaren.

Zugleich ist Dein Überblick über Bantzers Werk schwer möglich und trägt alleine bereits den Impetus in sich weiter zu forschen und zu publizieren – und wertige Ausstellungen zu präsentieren. Noch schwieriger und unübersichtlicher wird es, wenn Mensch sich der Literatur über Bantzer zuwendet.

Ebengleiches lässt sich über viele, die meisten „Willingshäuser“ mitteilen, wie zum Beispiel über Wilhelm Thielmann. Anders formuliert – es gibt überhaupt und seit vielen Jahren Forschungslücken und es findet keine relevante Forschung (mehr) über Willingshausen statt. Ausnahme davon markiert nahezu alleine Ludwig Knaus, dem das Landesmuseum Wiesbaden 2020 ein große Ausstellung gewidmet hat, begleitet und unterlegt von einem umfangreichen Katalog mit wissenschaftlichen Beiträgen zahlreicher Kunsthistoriker/innen.

Die Frage ob Carl Bantzer zutreffend als Impressionist bezeichnet werden kann, bedarf also weiterer Forschungen, Veröffentlichungen und Diskurse. Vermutlich wird kaum jemand in Frage stellen, dass man viele von Bantzers Werken als impressionistisch beschreiben kann.

Interessanter als solche Gedanken zu formulieren ist es freilich wirksame Initiative zu entfalten, damit der Malerkolonie Willingshausen und ihren künstlerischen Repräsentanten wieder und erneut oder erstmals Aufmerksamkeit seitens der Wissenschaft und Forschung, insbesondere durch Kunsthistoriker/innen zuteil wird. Das Publikum weithin wird es goutieren und wartet seit langem darauf.  Hartwig Bambey