Sonntags-Spaziergang im Schlosspark Wilhelmsthal

Blick in Zentralsperspektive auf Schloss Wilhelmsthal der Museumslandschaft Hessen Kassel. Breite Achsen und dann geschwungene weitläufige Wege entlang Wiesen und durch Waldabschnitte mit imposanten Baumriesen lassen es dort nicht so leicht überlaufen. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Endlich wieder ein Sonn(en)tag als Ausklang des ansonsten gräulich daher gekommenen Februar. Blauer Himmel, Sonnenschein – also nichts wie raus zum Spaziergang. Kassel war bekanntlich Residenzstadt. Dazu gehören Schlösser. Zu Schlössern gehören Parkanlagen. In Kassel hat es deren drei. Dass das Ziel Schloss Wilhelmsthal anstelle der Karlsaue oder des Bergparks Wilhelmshöhe die bessere Wahl war, zeigt sich uns bereits auf der Passage am Bergpark Richtung Ochsenallee, wo die Spazierenden nur so strömten.

Wer gedacht hätte, dass 13.30 Uhr in Wilhelmsthal, eine gute, gar frühe sonntägliche Spaziergehzeit wäre, konnte zunächst krass irritiert sein. Automassen, im Sonnenlicht spiegelnde Dächer ungezählter Blechkarossen dräuten und drängten sich auf dem an Wochentagen großzügig wirkenden Parkplatz. Glück hatten wir eine Lücke zu erwischen. Jetzt nichts wie ab in den Park des Rokkoko-Schlosses, wo es genügend meist baumbestandene „Gegend“ hat, in der sich die Kommenden und Gehenden sehr gut weithin verteilen können.

Am Rückweg durch den sanft ansteigenden Park-Wald wollte eine „Sonnenbank“ besessen werden. Für ein Viertelstündchen war uns dies sehr recht. Die Stullen zur Stärkung hatten wir uns leidlich verdient. Ein kleiner Umweg, weil der letzte Sturm einen Baumriesen aus dem Wurzelbett gehoben und zum Umstürzen gebracht hatte. Kurz dahinter ein Baumstumpf. Die Säge muss hier bereits vor Jahren eingesetzt worden sein. Ein faszinierender Anblick. Auf dem Plateau des Baumstumpfes – seit vielleicht 200 Jahren an dieser Stelle tief und fest verwurzelt – wölbt sich ungeniert ein Baumpilz in den freien Raum dem Licht entgegen und zehrt aus dem organischen Residuum des gewesenen Waldriesen. Frische Mose umkränzten diese wunderbare Szenerie einer organischen Naturbühne gleich. Dank der Fotografie lässt sich das Wesentliche in Visuelle transfomieren und mitnehmen. Es findet sich hier im Großbildformat präsentiert.

Neues Leben auf dem zerfallenden Totholz eines altem Baumstumpfes, ebenso faszinierend anzuschauen wie allegorisch inspirierend – in Hinblick auf erstarrte Verhältnisse mancherorten, ob nun Großstadt oder Dorf im Krähwinkel des Antrefftales. Sternbald-Foto Hartwig Bambey ©2022

So entschädigte und entschuldigte dieser sonntägliche Spaziergang pleinair den unterlassenen Besuch des Rokkokoschlosses mit seiner wunderbaren Tischbein-Galerie von Schönheiten aus den Hochzeiten der Residenz. „Ab nach Kassel“ in bester Manier, in diesem Fall gen Kassel-Calden.