Dorf-Zeitung Willingshausen: 50 Jahre Malschule Willingshausen

Günter Heinemann sitzend vor der Staffelei bei einem Plein-Air-Malkus in den Anfangsjahren der Malschule Willingshausen, Fotograf unbekannt.

Wer Spaß haben will, der kommt zu mir – wer etwas lernen will, der geht zu Marianne.“ So hat Günter Heinemann von 1972 bis zu seinem endgültigen Ausscheiden aus der Malschule 1996, seine Kursteilnehmer:innen eingestimmt auf zwei Wochen Malurlaub in Willingshausen. Unterstützt von seiner Frau Marianne Heinemann, geb. Thielmann, waren die Malkurse ein Angebot für Laienkünstlerinnen, um sich im Malen vor der Natur zu üben, bei fast jedem Wetter. In Fahrzeugkolonnen ging es hinaus in die nähere Umgebung, mit Feldstaffeleien und Keilrahmen, die man zuvor beim heimischen Friseur Knauf erstanden hatte, und nicht zuletzt mit dem Pausenkorb, gefüllt mit Kaffee, Tee und Keksen sowie dem beliebten „Malmittel“ – einer Flasche Rum.

Die Auseinandersetzung mit der Plein-Air-Malerei bildet mehr als 30 Jahre lang den inhaltlichen Schwerpunkt der Kurse. Lange bevor 1996 mit dem Künstlerstipendium Willingshausen die Tradition der Künstleraufenthalte wieder aufgenommen wird, ist die Malschule ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Lebens in Willingshausen. Mit dem Ausbau der ehemaligen Renterei zum Gerhardt-von-Reutern-Haus im Jahr 1989 erhielt die Malschule einen festen Standort. Das Atelier im oberen Geschoss wurde zum kreativen „Zuhause“ für Freizeitmaler:innen aus der ganzen Republik. Ab 1992 habe ich die Malschule weitergeführt, zunächst auch vorwiegend im Freien, nach und nach inhaltlich erweitert und verändert, so daß die Kurse inzwischen fast ausschliesslich im Atelier stattfinden.

Fokus von Landschaft zu einem breiten Spektrum

Der Fokus liegt damit schon lange nicht mehr auf der Darstellung von Landschaft, sondern umfasst ein breites Spektrum an inhaltlichen und formalen Herangehensweisen. Ein grosser Kreis von teils langjährigen Kursteilnehmer:innen – einige kommen seit 30 oder 40 Jahren – schätzt die individuelle Begleitung bei vorgegebenen und eigenen künstlerischen Projekten. Ab Sommer 2005 gab es eine erste Zusammenarbeit mit dem „Förderverein Kulturlandschaft Schwalm e.V“. Drei weitere Projekte folgten. Die Kursteilnehmer:innen konnten sich mit unterschiedlichen Aspekten der Kulturlandschaft bzw. der Malerkolonie auseinandersetzen, mit abschliessenden Ausstellungen in der Kunsthalle. Die Projekte „Der Wandel der Kulturlandschaft Willingshausen“ sowie „Randerscheinungen“ sind mit zwei Begleitschriften in der Reihe „Willingshäuser Beiträge“ dokumentiert.

Zugleich wurde, mit dem Neubau der Kunsthalle im Jahr 2005, die Malschule erweitert durch ein grosses Kursangebot von Künstler:innen aus der Region. In den Anfangsjahren, die nicht immer ganz einfach waren, bekam ich sehr viel Unterstützung, nicht nur aus der Gemeinde, sondern insbesondere auch von engagierten Menschen aus dem Dorf. Mittlerweile sind 30 Jahre vergangen und nicht nur mein Kursangebot, auch im Dorf hat sich viel verändert.

Eröffnung der Ausstellung „Der Wandel der Kulturlandschaft Willingshausen“ im Sommer 2006, Gemeinschafts-
projekt der „Malschule Willingshausen“ und des „Förderverein Kulturlandschaft Schwalm e.V.“ Foto R.Will

Neue Perspektiven mit der Neustädter Sieben

Malkursteilnehmerin in der Neustädter Sieben im Sommer 2021. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Da für das Gerhardt-von-Reutern-Haus ein Umbau geplant wurde, war ein Standortwechsel für die Malschule unausweichlich. Ich konnte schließlich 2021 das Angebot der „Kultur-Initiative-Willingshausen e.V.“ nutzen und kann meine Kurse seither in der „Neustädter Sieben“ anbieten. Der ehemalige Lebensmittelladen mit Backstube der Bäckerei Dittschar bietet viel Raum, sowie einen ungewohnten Austausch zwischen Dorfstraße außen und Kursgeschehen durch das große Schaufenster.

Nicht nur neue Perspektiven tun sich auf, auch die Kurse bekommen neue Impulse. Der Verein KIWI, eine Kulturinitiative aus dem Dorf für die Region, unterstützt mein Kursangebot jetzt mit viel Engagement und sorgt dafür, dass dieses noch immer eine Zukunft vor sich hat.
Ulrike Schulte

Malschule Willingshausen Ulrike Schulte
Kurstermine 2022 in Willingshausen: 23.– 27. Mai/30. Mai – 3. Juni ausgebucht
5.–9. / 12.–16. / 19.–23. September Plätze frei.
Ein Zeichenkurs findet in Ulrichstein/Vogelsberg statt: 25.–29. Juli Plätze frei
E-Mail: ulrike-schulte@t-online.de | www.ulrike-schulte.de