„Homecoming“ titulierte die Ludwig Knaus Ausstellung im Museum Wiesbaden 2022, die einen weitgehenden Einblick in das Werk des berühmten Genremalers aus Wiesbaden geboten hat. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Homecoming Ludwig Knaus nach Wiesbaden

Vom 14. Februar  bis zum 15. November 2020 konnte eine große Ludwig Knaus Ausstellung im Museum Wiesbaden, und damit in der Geburtsstadt des Malers (1829 – 1910), besucht werden. Dass ein Besuch von „Homecoming“, wie diese Präsentation anspielungsreich tituliert, lohnenwert war, erhellte aus der beachtlichen Zahl von 180 Werken, die gezeigt werden konnten und die geeignet waren sein reiches Werk zu repräsentieren. Die Ausstellung war angetreten, um Knaus als Maler mit ebenso großem Repertoire und Œuvre wie zeitgenössischem Ruhm in Deutschland, Frankreich und in den USA zu präsentieren, zugleich wurde er als Zeichner vorgestellt – und wer bekannte Gemälde von Ludwig Knaus als frühen Maler der Willingshäuser Künstlerkolonie sehen wollte, ist nicht enttäuscht worden.

 

„Die Goldene Hochzeit“, entstanden 1859, wird als Leihgabe des Grohmann Museum at Milwaukee School of Engineering präsentiert. Dieses frühe Hauptwerk, das den internationalen Ruhm des Malers maßgeblich begründete, ist zugleich das Umschlagmotiv des Ausstellungskatalogs.
In 1867 entstand das Gemälde von Ludwig Knaus „Hoheit auf Reisen“. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Peter Forster und Rebecca Krämer haben es als Kuratoren erfolgreich unternommen den großen Maler und Sohn der Stadt Wiesbaden in der Gänze zu präsentieren. Indem zahlreiche seiner großen bekannten Gemälde bereits früh zu stattlichen Preisen nach Amerika verkauft worden waren, führt für eine Knaus-Austellung kein Weg an der Leihgabe wichtiger Werke insbesondere aus Milwaukee vorbei. Die Kuratoren haben es nicht unterlassen Bernd Küster, den wohl profiliertesten Knauskenner, als Mitautor für den repräsentativen Ausstellungskatalog zu gewinnen. Beides zusammen – Ausstellung und Katalog – bergen für Besucher/innen von heute hervorragendes Potential den Maler sehr weitgehend kennenzulernen.

In dem Ölbild „Hessischens Leichenbegängnis im Winter“ aus dem Jahr 1871 wird deutlich, dass es Ludwig Knaus angelegen war Lebenswirklichkeiten abzubilden. Darstellung von Eigenarten und Würde der Menschen als Individuum sind ihm ein grundlegendes Anliegen gewesen. Das Bild gehört zum Bestand des Kunstmuseum Marburg und ist dort Teil der ständigen Ausstellung von Willingshäuser Malern. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

 So finden sich in der klar strukturierten Präsentation in dem großen kompakten Raum für Sonderausstellungen in der unteren Etage zahlreiche der großen Knausgemälde, die ihn als Genremaler ausmachen. Neben der „Goldenen Hochzeit“ sind mit „Dorftanz unter der Linde“, „Hessisches Leichenbegängnis im Winter“ von 1871 und „Hoheit auf Reisen“ von 1867 nahezu alle Gemälde vertreten, die Knaus in Verbindung mit seinen frühen Studien in Willingshausen und späteren Reisen dorthin verbinden.

Ludwig Knaus „Dorftanz unter der Linde“, entstanden 1850, Leihgabe des Museum Georg Schäfer Schweinfurt. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Zum Verständnis des Malers Ludwig Knaus gehört unbedingt die Einbeziehung seiner gezeichneten Vorlagen und des umfangreichen Werks als Zeichner. Gemäß des klassischen Diktums, dass vor der Fassung eines Gemäldes Zeichnungen als Vorlagen, Skizzen und Personenstudien zu erstellen waren, ist das hinterlassene Werk von Knaus reich an solchen grafischen Vorlagen. Sie werden mit präsentiert und machen damit seine Arbeitsweise ebenso anschaulich, wie einige der gezeigten Studien in Öl.

Der „Tanz unter dem Lindenbaum“ aus 1881 ist eines von mehreren Ölbildern von Ludwig Knaus mit starkem Bezug nach Willingshausen, nachdem Knaus im Jahr 1849 zum ersten Mal den Ort besucht hatte.

Die Ausstellung wird auf der Webseite des Museums weitgehend vorgestellt. Besucher erhielten mit der Eintrittskarte ein Begleitheft, worin in Kurzform seine Leben und Werk vorgestellt wird. Ein Besuch lohnte ebenso wie die Vertiefung in Lektüre des aufwendig ausgestatteten großformatigen Kataloges.

Ludwig Knaus Homecoming
Hrsg. Peter Forster, Rebecca Krämer
mit Beiträgen von Jo Briggs, Peter forster, Nikolas Werner Jacobs, Rebecca Krämer, Bernd Küster, Matthias Hesel
25 x 28,5 cmm geb.224 Seiten ISBN 978-3-422-98280-2

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